Bericht Swiss Beef Reise 2018

Bericht Swiss Beef Reise 2018

England vom 29. August bis 2. September 2018

Die Englandreise von Swiss Beef traf auf grosses Interesse. Am Morgen des 29. August 2018 konnten Ramona und Christian Glur am Flughafen Kloten die stattliche Zahl von 58 reiselustigen Rindermästerinnen und -mäster sowie etliche weitere Frauen und Männer, die der Rindermast wohlgesinnt sind, begrüssen.

Am Flughafen Heathrow erwartete uns die Reiseleiterin Barbara Pukwana. Sie ist eine gebürtige Schweizerin, die schon lange in England lebt. Bei den Fachbesuchen hat sie uns die Informationen übersetzt und auch auf den Busfahrten wartete sie mit interessanten Informationen zu England auf. So liegt das Durchschnittseinkommen in Grossbritannien bei 28‘000£ (Kurs ca. 1.30 Fr. für 1 £). Landwirtschaftliche Angestellte verdienen mit 20‘000£ deutlich unterdurchschnittlich.

Betriebsbesuch – Chilthem Valley Weingut

Der Betrieb verfügt über historische Gebäude, die um einen Innenhof gruppiert sind. Auf ca. 1.2 ha Reben mit verschiedenen weissen und roten Gewächsen werden rund 6000 Flaschen Wein produziert. Ergänzend werden wöchentlich rund 1000 Flaschen (0.5l) Bier gebraut und bis an den Königshof verkauft. Ein weiterer Produktionszweig sind Liköre mit verschiedenen Fruchtnoten. Die Reisegruppe konnte sich von der Qualität der Produkte im zum Betrieb gehörenden Raum für Eventgastronomie überzeugen. Dieser Raum wird auch für Hochzeiten gerne gemietet.     

Besuch der Landwirtschaftsausstellung Bucks-Show     

Für eine regionale Landwirtschaftsausstellung hat die Bucks-Show enorme Ausmasse. So wurden Rinder (Fleisch oder Milch) Schafe, Pferde, Hunde und viele andere Tiere ausgestellt und prämiert. Ebenfalls prämiert wurden Gemüse aller Art, Torten und Handarbeiten. Auf der Ausstellung durften natürlich die Traktoren und Landmaschinen auch nicht fehlen. Für das Mittagsbuffet im Festzelt wurde die ganze Reisegruppe Ehrengäste der landwirtschaftlichen Vereinigung des Bucks Couny.

Ein reiner Ackerbaubetrieb, der vollständig auf Mähdrescherfrüchte ausgerichtet ist. Neben 500 ha Eigenland, sind 250 ha gepachtet und weitere 700 ha werden im Vertrag bewirtschaftet. Die Fruchtfolge beginnt mit Winterweizen, gefolgt von einem 2. Jahr Winterweizen oder Wintergerste, anschliessend Raps und wieder Winterweizen, wieder teilweise Winterweizen und zum Teil Sommergerste und (Pferde)Bohnen resp. 2017/18 als Versuch je 40 ha Soja. Der Sojaversuch wird im Hinblick auf das Verbot der Neonicotinoide gemacht um eine Alternative zu haben, wenn der Anbau von Raps nicht mehr möglich sein wird. Beindruckend waren die Erträge von gut 100 kg Weizen. Da verwundert der enorme Input mit Kompost vor der Saat und Abspritzen des Unkrautes mit Glyphosat, der Saatbettbereitung mit Scheibenegge und anschliessender Saat. Nach der Saat folgen zwei Behandlungen mit Herbiziden, anschliessend eine Flüssigdüngung eine Fungizidbehandlung, der nächste Herbiziddurchgang, gefolgt von drei Mal abwechslungsweise Fungizidbehandlungen und Düngergaben. Insgesamt 11 Durchfahrten zeigen das für Schweizer Bauern kaum vorstellbare intensive Regime dieser Produktion.

Die Frage nach einer Vorerntebehandlung mit Glyphosat zum Auslösen einer gleichmässigen Abreife wird bei Brotgetreide und Braugerste verneint, sie ist aber bei Futtergetreide und Raps üblich.

Der Betrieb erhält 258£ Direktzahlungen je ha. Auf einer im Baurecht angegebenen Fläche betreiben Dritte eine Biogasanlage und einen grossen Kompostierplatz. Der Eigentümer partizipiert an der angelieferten Menge Kompostiergut und Biogassubstrat.

Der Betriebsleiter stuft den von der Bevölkerung Grossbritanniens getroffenen Entscheid die EU zu verlassen (Brexit) als Fehlentscheid ein, da kaum damit gerechnet werden kann, dass das Land längerfristig bereit sein wird, die Stützung der Landwirtschaft im gleichen Mass weiterzuführen, wie es bei einem Verbleib in der EU der Fall gewesen wäre.

Betriebsbesuch – Barton Abbey Farms
Gutsbetrieb eines von Heinrich dem VIII (ja der mit den vielen Ehefrauen!) säkularisiertes Kloster (Abtei)

Eine Mischfarm mit 400 ha Ackerbau, 400 ha Grünland und Viehhaltung 100 Mutterkühe und 800 Schafen. Die Kühe, Kreuzungen Charolais x Saler kalben saisonal in den Monaten März und April. Den ersten Sommer verbringen die Kälber mit den Müttern auf der Weide. Im Oktober werden sie abgesetzt, sobald sie 2 kg Hafer pro Tag fressen.  

Nach der Stallfütterung folgt ein weiterer Sommer auf der Weide und anschliessend erfolgt eine Endmast (Finishing) auf ein Schlachtgewicht gegen 400 kg. Pro kg SG wird aktuell ein Preis von 4.2£ bezahlt. Im Ackerbau wird mit Minimalbodenbearbeitung gearbeitet, das heisst vor der Ansaat wird mit Glyphosat unkrautfrei gespritzt.

Auch dieser Betriebsleiter hält den Brexit für einen Fehlentscheid.

Betriebsbesuch – Kingston Hill Farm Ldt
Verpächter ist die University of Oxford

Ein Pachtbetrieb mit Milchwirtschaft und 132 ha Ackerkulturen (123 ha Mais und 9 ha Weizen). Total werden 534 ha bewirtschaftet, wovon ein weiterer 161 ha grosser Betrieb ca. 20 km entfernt liegt.  Momentan werden auf dem Hauptbetrieb etwa 650 Kühe gehalten. Es wird saisonal von Mitte August bis Mitte Oktober abgekalbt. Die Kühe sind Kreuzungen von Holstein x Schwedisches Rotvieh x BrownSwiss.

Die Milchleistung liegt bei durchschnittlich 8000 kg pro Laktation. Gemolken wird zweimal täglich mit einem 60-er Karussell, das von 3 Personen bedient wird. Die Sommerfütterung (Spätlaktation und Galtphase) findet auf der Weide statt. Die Winterfütterung ab Mitte September bis April besteht aus Gras- und Maissilage als Grundfutter. Das Kraftfutter besteht aus Sojaschrot, Bohnen und Raps sowie Futtergetreide. Da dieses Jahr sehr trocken war und zu wenig Raufutter geerntet werden konnte, wird das Verhältnis Raufutter zu Kraftfutter von 60 zu 40% auf 40 zu 60% umgekehrt. Das führt zu 16 kg Kraftfutter je Kuh und Tag. Der Grundpreis der Milch ist 0.31£/ kg da die Gehalte mit 4.4% Fett und 3.5% Protein sehr hoch sind, wird ein Auszahlungspreis von 0.34£ erreicht. Stierkälber mit Mastkreuzungen erzielen 200£, weibliche 120£ und Milchrassentränker 50£ je Tier. Einjährige Fresser können mit ca. 350 kg zu 500 bis 600£ verkauft werden.

In Sachen Brexit hat dieser Betriebsleiter die Befürchtung, dass dieser Volksentscheid die schlechteste Entscheidung in der langen Geschichte des Königreiches werden könnte.

Mastbetrieb White Pond Farm

Die 200 ha Pachtfarm liegt in einer lieblichen Landschaft auf 100 bis 200 Meter über Meer. Die Jahresniederschläge betragen ca. 600 mm. Der nächste Dorfladen liegt nicht gerade um die Ecke… .

Neben den 80 ha Dauerweiden werden Braugerste, Wintergerste, Winterweizen und 15 ha Rotklee angebaut. Haupterwerbszweig ist die Rindermast. Pro Jahr werden ca. 200 Kälber im Alter von zwei Wochen von Milchviehbetrieben gekauft. Es sind Kreuzungstiere mit Aberdeen Angus, Hereford, Norwegische Rote und einige Holstein Stiere. Die Stiere kosten 180 Pfund, die weiblichen Tiere 120 Pfund. Das Schlachtgewicht der Tiere beträgt nach maximal 24 Monaten 380 kg für Stiere und 325 kg für Rinder.

Das Bild der extensiven Weidemast täuscht. Weil die Getreideproduktion günstiger ist als die Raufutterproduktion, wird mit sehr viel Kraftfutter gemästet. Das Kraftfutter, eher ein „Schwachfutter“ besteht zu ca. 2/3 aus Gerste, ergänzt mit Protein, Melasse und Weissklee. Weil das Futter auf der Weide oft knapp ist, wird kräftig zugefüttert. Bedingt durch die hohen Schlachtgewichte gekoppelt mit einer eher extensiven Mast, ist die Effizienz eher schlecht. Vor allem der Erhaltungsbedarf im zweiten Lebensjahr hinterlässt seine Spuren. Insgesamt frisst ein männliches Tier bis zur Schlachtung 7000 kg Kraftfutter, bzw. im konkreten Fall „Schwachfutter“. Pro kg Schlachtgewicht sind das 18 kg! Bei unserem Produktionssystem füttern wir maximal 3 kg Kraftfutter. Dies allerdings ohne Weidegang und mit deutlich besserem Grundfutter, insbesondere Mais.

Das Betriebseinkommen wird ergänzt mit der Vermietung von drei Ferien-Cottages und diversen Anlässen für Film und TV. Die idyllische Kulisse eignet sich hervorragend dazu.

Das ist uns aufgefallen…

Hecken, Hecken, alte Bäume und nochmals Hecken. Hecken sind nun definitiv nicht eine neuere Schweizer Öko-Erfindung. Praktisch alle Schläge, entlang allen Strassen stehen Hecken. In den Feldern hat es da und dort riesige alte Bäume. Keine Spur von ausgeräumter Landschaft. Allerdings sind die Schläge nicht selten 50 ha gross. Erstaunlicherweise haben sich nur unsere Bauern über die vielen Hecken und die Bäume geärgert. Für alle besuchten Farmer ist das selbstverständlich und gehört einfach dazu. Glücklicherweise waren wir in einem Car unterwegs. Ansonsten hätten wir wegen der Hecken an den Strassenrändern glatt nichts als Hecken gesehen!

Die Leute sind sehr freundlich. Auf den Farmen wurden wir überall herzlich empfangen und erhielten einen guten Einblick. Auch kritische Fragen wurden prompt beantwortet. Das Essen war ausnahmslos gut, was nicht unbedingt zu erwarten war. Es zeigt sich: Schlechte Nachrichten halten sich (zu) lange.

Vielerorts erspähten wir Fasane. Wunderschöne, farbenprächtige Hähne und ganz bescheidene Hühner… . Fasane werden gezielt gezüchtet und gefüttert. Es werden sogar Wälder angebaut, um die Tiere zu fördern. Die Fasanenjagd ist immer noch ein begehrter Anlass. Zu einer Jagd werden üblicherweise max. acht Leute zugelassen. Der Preis beträgt 1000 Pfund pro Teilnehmer. Das ist kein Witz – also der Preis ist kein Witz! Ergibt doch immerhin Tageseinnahmen von mehr als 10‘000 Franken. Gejagt wird während 30 Tagen. Es ist erstaunlich, warum da noch Rinder gemästet werden!

Engländer haben Stil. Stil ist bekanntlich Geschmacksache. Das haben wir schon an der Hundeausstellung der Bucks Show gesehen! In ländlichen Gegenden werden viele neue Häuser in traditionellem Stil mit Backsteinen gebaut. Hypotheken müssen nach spätestens 25 Jahren oder aber bis zur Pensionierung zurückbezahlt sein. In Erinnerung bleiben uns bestimmt auch die wunderschönen Stadtpärke in London.

Für kurze Zeit ging Edi in London verloren. Ein verloren oder gestohlen vermutetes Portemonnaie ist nach der Reise vom Carchauffeur wieder gefunden worden! Sonst gibt es hier gar nichts zu berichten, im Gegenteil!

Natürlich, was wäre England ohne das Königshaus und die Königin, ohne Schloss Windsor? In entspannter Ferienstimmung haben wir das Schloss mit der St. Georg Kirche besucht. Die Sonne hat ganz angenehm geschienen, während es zuhause geregnet hat – doppeltes Glück für alle Teilnehmer. Die anglikanische Kirche ist eine weltweite christliche Kirchengemeinschaft, die in ihrer Tradition evangelische und katholische Glaubenselemente vereinigt.

Die Themse. So heisst der bekannte Fluss, welcher sich durch London schlängelt. In London ist das ein beachtlicher Fluss mit zahlreichen Schiffen. Es sollen 20 verschiedene Fischarten in der Themse leben. Der Gezeitenunterschied zwischen Ebbe und Flut ist in London sehr deutlich spürbar.

Weniger als 100 km westlich von London, im schmucken Städtchen Henley-on-Thames, ist die Themse nur noch ein niedliches Flüsschen mit sehr zahlreichen Freizeitbooten und ebenso zahlreichen Schwänen. Früher durften nur Könige Schwäne halten. Die Schwäne auf der Themse gehören angeblich alle der Königin.

Dank

Die Reise war sehr interessant, ausgewogen und tadellos organisiert. Die interessanten Betriebsbesuche, die unkomplizierte Reisegesellschaft, die rassigen Carfahrten, die gemütlichen Spaziergänge, die kompetente Reiseleitung und ganz besonders die friedlichen Diskussionsrunden in der Hotelbar bleiben in bester Erinnerung. Ganz herzlichen Dank an Ramona und Christian Glur und an Alex Wyss!

Text: Franz Hagenbuch, Rottenschwil und Thomas Jäggi, Härkingen